Andrea Esswein 

Andrea Esswein nutzt für ihre in der Ausstellung gezeigten „Kopigraphien“ ein Werkzeug unseres Alltagsgebrauchs: den Fotokopierer. Dieser wird in seiner Funktion als Vervielfältigungsgerät zweckentfremdet und zur Produktion von Kopieroriginalen genutzt. Dabei steht Esswein jedoch nicht in der Tradition der „Copy Art“, wie sie beispielsweise Joseph Beuys in den 1960er Jahren als Möglichkeit zur unendlichen Reproduktion im künstlerischen Prozess einsetzt. Essweins Bilder existieren jeweils nur einmal, die Kopie an sich ist ein Unikat.

 

 

 

Für die noch nicht abgeschlossene Serie „Brautkleider“ beispielsweise fotokopiert Esswein stückweise Brautkleider, die in Secondhand Läden ihre Aufmerksamkeit erregt haben und setzt sie in Lebensgröße neu zusammen. Durch die collagenartige Überlappung der einzelnen Kopien und die Versiegelung durch verschiedene Acryllacke entsteht eine kachelartige Struktur, in welcher der Bildgegenstand aufgebrochen und in kubistischer Anmutung wieder zusammensetzt wird. Der Körper, der dieses Kleidungsstück getragen hat, die Person, die mit diesem Kleidungsstück den „schönsten Tag ihres Lebens“ verbracht hat, bleibt dabei im Verborgenen. Dennoch ist das Anliegen der Künstlerin, geschlechtsspezifische soziale und kulturelle Rollen von Frauen darzustellen, im Bildgegenstand präsent.

In der Arbeit „Ribera Tityos“ transferiert Esswein einen Klassiker der Kunstgeschichte in ein neues Medium: das Gemälde „Tityos“ von José de Ribera aus dem Jahr 1632. Die Erinnerung an den alten Meister erhält Esswein durch die warme Färbung, die sich durch die Versiegelung mit Kunstharz ergibt und die im Kontrast zu den schwarzen Flächen des Kopiervorgangs steht. Die Referenz bildet hier das Chiaroscuro barocker Malerei, in der Tradition der künstlerischen Praxen von Caravaggio, Rembrandt oder aber Ribera.

Esswein beschreibt den Entstehungsprozess ihrer Werke, die den menschlichen Körper collagenartig abbilden, als Herausforderung für Künstler und Modell, denn die Pose, die sie mit der Kopigraphie (re)konstruiert, bringt die Person, die sich als Gegenstand der bildnerischen Darstellung zur Verfügung stellt, häufig sowohl an physische als auch oftmals an ihre psychischen Grenzen.

 

 

Andrea Esswein (*1969 Germersheim, lebt in Wiesbaden, Atelier in Mainz) wurde bisher ausgezeichnet u.a. mit dem Albert-Haueisen-Preis, dem ISCP-Stipendium in New York und dem PAF (Performing Arts Forum) Stipendium in Frankreich. Ihre Arbeiten waren ausgestellt u.a.: Kunsthalle Mannheim, Kunsthalle Recklinghausen, NKV Wiesbaden, Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen, Museo Metropolitano de Monterrey Mexiko, Heussenstamm Galerie Frankfurt, Schloss Balmoral Bad Ems, Tanzmuseum Köln, Museo Nacional de Bellas Artes, Santiago de Chile, c/o Galerie Berlin, The Cultural Forum for Photography, Deutsches Tanzarchiv/SK Stiftung Kultur Köln, Deutsche Botschaft, Santiago de Chile, Kunsthalle Wien, Goethe Institut in: Singapur, Kuala Lumpur, Bangkok, Wellington, Melbourne, Salvador Bava, Havanna, San Juan, Buenes Aires, Sant Cruz, Asunción, Buenos Aires, Córdoba, San Juan, Mendoza, Caracas, Havanna, Mexiko, Hyderabad, Kolkatta, Mumbai, Bangalore, Seoul, New Dehli, Karachi. 

 

Weitere Informationen finden Sie unter: 

www.andrea-esswein.com und www.existenzundexzellenz.de

 

Andrea Esswein bei artitious: www.artitious.com/artist/andrea-esswein/

 

 

     © PORT25  

Hafenstraße 25-27   68159 Mannheim   Tel. 0621 33934397

Mi — So 11 – 18 Uhr

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