Arthur Bauer 

Es besteht kein Zweifel über eine Kluft zwischen Russland und der westlichen Welt. Der Interessen- und Ideologien-Konflikt geht mit einer kulturellen Entfremdung zwischen beiden Sphären einher. 

 

In der Sowjetunion geboren und in Deutschland aufgewachsen, entwickelte ich über die Jahre eine kritische Haltung zu meiner Ursprungskultur. Sie basierte auf Diskriminierung in der Jugend und dem negativen Russlandbild, das von westlichen Medien gezeichnet wurde. Ein Bild, das von Autoritarismus und Rückständigkeit geprägt ist. Die russische Kultur und Wärme, die ich durch Familie und Freunde erfahren habe, stand der emotionalen Distanz diametral gegenüber. 

 

Die ambivalente Verbindung zu meiner Heimat führte 2018 und 2020 zu fotografischen Reisen nach Kazan: Eine Stadt voller Kontraste, in der russische Kultur, tatarische Tradition und Moderne friedlich koexistieren. Der politische Sonderstatus räumt der Metropole weitgehende Autonomie von der Zentralmacht ein – religiös, kulturell und wirtschaftlich. Kooperation und Ausgleich sind tief in die Stadt-DNA eingebrannt. Neben jeder orthodoxen Kirche steht eine Moschee, neben jedem russischen Theater befindet sich eine tatarische Kulturstätte. 

 

Unter der Oberfläche der Stadt, in der ich 10 Wochen täglich fotografierte, wurden bald Bruchlinien sichtbar. Sie verlaufen zwischen einer sowjetisch sozialisierten Generation und einer westlich orientierten Jugend; zwischen klassischen Geschlechterrollen und dem Wunsch nach Emanzipation; zwischen materiellem Status und künstlerischer Selbstverwirklichung; zwischen Gewinnern und Verlierern nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Mein Interesse als Sozialwissenschaftler gilt den Wechselwirkungen zwischen Mensch und System.

 

Als Fotograf suche ich Sujets mit dichter Atmosphäre und Momente, in denen Gefühlswelten sichtbar werden. Die bewusste (und unbewusste) Wahl der Motive ist eine Spurensuche nach Identität. Sie ist ein Spannungsfeld zwischen Nähe und Irritation, zwischen Unbehagen und Zuneigung. 

 

Arthur Bauer

Deltabeben. Regionale 2020

In Kooperation mit der Kunsthalle Mannheim und dem Kunstverein Mannheim

Arthur Bauer, Ulises Lamadrid, Lucia Dominguez Madeira, Miriam Stanke, Jutta Steudle,

Helena Walter, Konstantin Weber, Stefan Wäldele, Yulong Lin.

29. November 2020 — 24. Januar 2021

 

Die sechste Ausgabe der Ausstellungskooperation Deltabeben. Regionale feiert zugleich das zehnjährige Bestehen dieses für das Kunstschaffen in der Rhein-Neckar Region wichtigen Gemeinschaftsprojektes. Alternierend werden an dieser Biennale in Ludwigshafen und Mannheim Werke von Künstler*innen präsentiert, deren Atelier und Arbeit hier in der Region verankert ist. Die regionale Verortung orientiert sich an den Koordinaten einer Nord-Süd-Achse von Mainz bis Karlsruhe und der Ost-West Verbindung zwischen Kaiserslautern und Heidelberg.

 

Im Jahr 2020 sind es die drei Mannheimer Institutionen Kunsthalle, Kunstverein und PORT25 – Raum für Gegenwartskunst, die zusammen eine kuratierte Auswahl zeitgenössischer Künstler*innen aus verschiedenen Generationen vorstellen. Die Werke repräsentieren alle relevanten Medien des gegenwärtigen Kunstschaffens, von der Malerei über Fotografie und Zeichnung bis zu multimedialen Installationen oder auch Performance. Damit zeigt die Region einmal mehr ihr Potential an künstlerischer Arbeit und demonstriert, wie wichtig es ist, diesen Werken einen repräsentativen Auftritt zu verschaffen. Die überregionale und internationale Strahlkraft der Ausstellung ist der Grundstein für die Sichtbarkeit der Kunst in und außerhalb der Region. Noch dazu in gesundheitspolitisch schwierigen Zeiten, möchten die Kunstinstitutionen ihre Systemrelevanz für die Kultur demonstrieren und die Bildende Kunst trotz der Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie zur Geltung bringen.

     © PORT25  

Hafenstraße 25-27   68159 Mannheim   Tel. 0621 33934397

Mi — So 11 – 18 Uhr

  • Facebook - Weiß, Kreis,
  • Instagram - Weiß Kreis
  • Twitter - Weiß, Kreis,