Oscar Muñoz 

Wie lange dauert eigentlich die Gegenwart, dieser Augenblick zwischen Vergangenheit und Zukunft? In der Videoarbeit Re/trato ist eine Hand zu sehen, die mit einem wassernassen Pinsel ein Gesicht auf einen Stein zeichnet. Die Sonne trocknet die ersten Pinselstriche, bevor die Zeichnung fertiggestellt ist. Während fast unmerklich ein Ohr, die Pupille oder ein Stück vom Kinn entschwinden, halten wir als Betrachter das zuvor Gesehene noch eine Zeit lang als Nachbild in der Erinnerung. Es ist der Moment, an dem das unmittelbar zuvor Vergangene noch präsent ist und man sich zugleich schon in gespannter Erwartung auf das Künftige befindet.

Der Titel ist ein Wortspiel und transformiert die Begriffe „Porträt“ (retrato) und „Versuch“ (trato), zu einem „Wieder-Versuch“. Weil aber das neue Bild das Vorausgegangene niemals identisch reproduzieren kann, werden wir Zeuge eines permanenten Neuanfangens. Die Erinnerung, sowohl unsere eigene, als auch die des Zeichnenden bleibt flüchtig und entschwindet letztlich, trotz aller unternommenen Anstrengungen - einzig der Wandel besitzt Kontinuität.

Muñoz nutzt in seiner künstlerischen Praxis überwiegend die Medien Fotografie und Film, die metaphorisch für die Unmöglichkeit stehen, Bilder dauerhaft in Erinnerung zu behalten und zu fixieren. Zugleich ist er bestrebt, gerade durch das Voraugenführen des Vergänglichen und Entschwindenden ein Gedächtnis zu schaffen. Vor dem Hintergrund der kolumbianischen Herkunft Oscar Muñoz’ hat dies neben der philosophischen auch eine politische Dimension.

 

Oscar Muñoz (*1951 Popayán, Kolumbien) lebt in Cali, Kolumbien. Er studierte in den 1970er Jahren an der Escuela de Bellas Artes in Cali.

 

„Re/trato“, 2003, Videoprojektion, 28‘‘47‘. 

 

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