Siegfried Anzinger 

Siegfried Anzinger nennt seine 38-teilige Serie mit Selbstbildnissen schlichtweg „Zeichnungen“. Die Blätter, die mit raschem Strich in Bleistift und Tusche ausgeführt sind, zeigen Schulteransichten, meist en face oder im Dreiviertelprofil: die Augen häufig verschattet, der Mund geschlossen, die Mundwinkel nach unten gezogen. Anzinger bricht auf ironische Weise mit den üblichen Selbstdarstellungsposen, ohne allerdings die Tradition ganz über Bord zu werfen. Er nutzt sie, um formale Überlegungen auf ihre Triftigkeit hin zu überprüfen.

Auf den ersten Blick erscheint ein Blatt wie das nächste und den- noch ist kein Bildnis wie das andere. Anzinger hat mit der Serie we- der eine Autobiographie in Bildern geschaffen, noch interessiert ihn die Erforschung seines realen Gesichts als Abbild einer tieferliegenden Lebensrealität. Experimentelle physiognomische Studien lassen sich nun eben plausibler an einem Antlitz betreiben, als an den vom Künstler sonst häufig ins Bild gesetzten Indianern und Nixen.

Siegfried Anzinger ist dafür bekannt, ein schneller Maler und Zeichner zu sein. In weniger als 20 Minuten malt er 1983 vor laufender Kamera ein monumentales Bild. Diese Direktheit und Heftigkeit prägt seine künstlerische Haltung, die das künstlerische Schaffen konsequent als dauernde Erneuerung pflegt, ohne eine Überhöhung der Bildinhalte.

 

Siegfried Anzinger (*1953 Weyer an der Enns, Österreich) lebt in Köln. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste, Wien bei Prof. Max Melcher und ist seit 1997 Professor für Malerei und Grafik an der Kunstakademie Düsseldorf und seit 2013 Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

 

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