Simone Demandt 

Universitätsschränke, 2007

Instrumenta Sceleris, 2011-2013

 

Simone Demandt widmet sich in ihren Fotoserien jeweils einem Themenkomplex. Den roten Faden zwischen den Serien bildet ihr Interesse daran, wie individuelle und kollektive Vorstellungswelten, kunsthistorische Paradigmen oder wissenschaftliche Ambitionen sich in Form von Räumen, Konstruktionen und Objekten manifestieren können. Sachlich und nüchtern fotografiert sie Räume, die dem Blick der Öffentlichkeit meist unzugänglich sind. Die Serie „Universitätsschränke“ entstand im Auftrag der Universität Tübingen, wo sie sich 2007 gemeinsam mit Candida Höfer mit dem Schrank als Hüter, Ordnungssystem und als den Raum strukturierendes, funktionales Möbel für Wissenschaft und Forschung auseinandersetzte.

Die Reihe „Instrumenta Sceleris“ zeigt Gegenstände des täglichen Gebrauchs, die in eine kriminelle Handlung verwickelt waren. In öffentlich nicht zugänglichen Asservatenkammern von Kriminalämtern und Staatsanwaltschaften hat Simone Demandt sie entdeckt und in Szene gesetzt: auf einem Podest, umgeben von einem Raum aus Karton, werden die Objekte fotografiert, als seien es Skulpturen in einem Ausstellungsraum. Typische Tatwaffen wie Messer oder Revolver sind für Simone Demandt nicht von künstlerischem Interesse, stattdessen wählt sie entweder Gegenstände, wie sie in jedem Haushalt zu finden sind oder aber raffinierte Konstruktionen, die eine kriminellen Phantasie zum Ausdruck bringen und ebenso bei Betrachter*innen anregen. Wozu die Dinge als reale Gegenstände während einer kriminellen Handlung verwendet wurden, bleibt hingegen verborgen. Sehr subtil wird eine allgemeingültige Aussagekraft der Objekte hinterfragt und man kommt kaum umhin, sich die Frage zu stellen in welchem Verhältnis das fotografierte Ding zu sich selbst und zu unserer Vorstellung von ihm steht? Diese Fragestellung wird durch die Titelgebung zusätzlich bestärkt. Die Werktitel der Serie setzen sich aus dem Entstehungsjahr, der Filmnummer und der Bildnummer auf dem jeweiligen Negativfilm zusammen. Damit fungieren sie wie Inventarnummern, die die Auffindbarkeit des Fotonegativs im Archiv von Simone Demandt suggerieren. Die Fotografien der archivierten Asservate werden damit wiederum zu Objekten einer Sammlung.

Simone Demandt (*1959 in Dortmund) wurde an der Akademie der Bildenden Künste und an der Universität Stuttgart als Künstlerin und Kunstwissenschaftlerin ausgebildet. Sie lehrt seit 1996 u.a. an der Freien Hochschule für Graphik Design und Bildende Kunst Freiburg, zuletzt 2010 an der Hochschule der Bildenden Künste Saar. 2015 erhielt sie den Karlsruher Hanna-Nagel-Preis. Sie lebt und arbeitet in Baden-Baden. 

Weitere Informationen über Simone Demandt finden Sie hier

Common Cause

In der Ausstellung „Common Cause“ wird erstmalig ein Überblick über die gemeinsamen Projekte der beiden Künstlerinnen Simone Demandt und Margret Eicher gegeben. Im Zentrum steht die Entwicklung der aktuellen Produktion „Planet Museum“. Mit „Planet Museum“ richten die Künstlerinnen ihren Blick erneut auf die vielfältige Präsentation und Vermittlung von aktueller Kunst, diesmal idealerweise weltweit. „Planet Museum“ geht aus einem Projektvorschlag der Künstlerinnen für die documenta 11 hervor und initiiert in seiner aktualisierten Form eine global wirksame, medienbasierte Reise zur gegenwärtig praktizierten Auswahl und Präsentation von bildender Kunst.

 

Den Arbeiten der beiden Künstlerinnen gemein ist der Bezug zur Präsenz und Macht des Bildes als Vermittler von Werten, Idealen oder Ansichten. Eicher und Demandt verbinden ihre Arbeitsweisen bereits seit dem Jahr 2000 durch gemeinsame Projekte. Beispielsweise forderten sie in der Staatsgalerie Stuttgart sowie im Stadtraum Stuttgart mit dem Projekt „Sehen Sie! Sehen Sie?“ zum genauen Hinsehen und zum Reflektieren des Gesehenen und zu Sehenden auf. Ihre künstlerische Intervention „let me be your supervisor“ verknüpfte im Jahr 2015 das aktuelle Thema der permanenten Überwachung mit der Frage nach den Machtverhältnissen innerhalb des Kunstbetriebes. 

 

Neben der retrospektiven Sicht auf die künstlerische Kollaboration deutet „Common Cause“ auf die jeweils eigene künstlerische Haltung von Demandt oder Eicher, indem beispielhaft Arbeiten aus einer ihrer aktuellen Werkgruppen gezeigt werden.

 

Demandt untersucht seit knapp 30 Jahren mit ihren Fotoprojekten wie individuelle und kollektive Vorstellungswelten oder wissenschaftliche Ambitionen in Form von Räumen, Konstruktionen und Objekten Wirklichkeit werden. Sachlich nüchtern fotografiert sie Räume, die dem Blick der Öffentlichkeit meist unzugänglich sind wie Garagen, Universitätsräume, Labore oder Klosterräume. In „Common Cause“ zeigt sie mit der Werkreihe „Plant Models“ materielle Pflanzenmodelle, die bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Lehrbetrieb botanischer Institute – hier der Universität Greifswald – als Anschauungs- und Übungsmodelle dienten. Demandt doppelt in den großformatigen und sachlich inszenierten Fotografien von Staubstempeln, Blattquerschnitten oder Blüten den Zeigemodus, den diese Modelle als Lehrmittel in sich tragen.

 

Bilder: Ausstellungsansicht fotografiert von Simone Demandt und Toni Montana Studios

Fotofestival Mannheim_Heidelberg_Ludwigshafen 2015

 

Simone Demandt thematisiert in ihren Fotoprojekten oft (An-)Sammlungen und kuriose (An-)Ordnungen. Ihre Kamera ist dabei ein technischer Apparat, der hilft, die Begebenheiten zu untersuchen. Zwischen 2001 und 2003 fotografierte sie beispielsweise offene Garagenräume, in denen sie sich nicht für die abgestellten Autos, sondern für das dort vorzufindende Sammelsurium an Dingen interessierte („Freude am Leben“ 2001-2003/2005). Die jeweilige Anordnung von u.a. Zelten, Getränkekisten, Koffern, Eimern und Leitern offenbart eine innere Logik und gibt zugleich Hinweise auf die Garagenbesitzer. Lesbarkeit und Narration bestimmen Demandts Fotokunst, die auch eine Reflexionen über die Fotografie als artifizielles und ästhetisches Konstrukt anbietet. Was erzählen Porträts, wenn sie bewusst unscharf aufgenommen oder verklärend hinter Acrylglas gesetzt werden? („Turn round“ 2009; „Kein Kinderspiel“ 1999/2009)? Welche Aussagekraft haben Gegenstände aus Asservatenkammern, wenn sie ästhetisch fein in einem White-Cube ähnlichen weißen Karton abgelichtet werden („Instrumenta sceleris“ 2011-2014/15)? 

 

Die vier großformatigen Fotografien der Werkgruppe „Dunkle Labore/Labs overnight“ sind Nachtaufnahmen von Laboren, u.a. des Strahlungsprüflabors Nürnberg und der Experimentalphysik I der Universität Karlsruhe. Dort hat Demandt in den Wintermonaten 2008 und 2009 jeweils für eine Nacht ihre Kamera platziert, den Bildausschnitt ausgewählt und den 10 x 12cm Negativfilm bis Tagesanbruch, ca. 8 bis 10 Stunden, belichten lassen. Der jeweilige Raum mit seiner spezifischen Lichtsituation entspricht dem Zustand, den sie nach Arbeitsende der Mitarbeiter vorfand. Diese analogen Aufnahmen zeigen Wunderkammern, in die das Auge erst nach und nach, das matte Fotopapier absuchend, eindringt. Kleine, brillant-leuchtende Hilfslichter, satte Farben vom warmen Leuchtgelb und kühlem Technisch-Blau variieren eine im Dunkeln verborgene Landschaft aus Apparaturen, Lasern- und Hochleistungsrechnern. 

 

Demandt (*1959 Dortmund)wurde an der Akademie der Bildenden Künste und an der Universität Stuttgart als Künstlerin und Kunstwissenschaftlerin ausgebildet (1979-1985), sie lehrt seit 1996 u.a. an der Freien Hochschule für Graphik Design und Bildende Kunst Freiburg, zuletzt 2010 an der Hochschule der Bildenden Künste Saar. In zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen präsentierte sie ihre fotografischen Arbeiten auch in Installations- und Kunst-am-Bau-Kontexten. 2015 erhielt sie den Karlsruher Hanna-Nagel-Preis.

 

Weitere Informationen finden Sie unter: www.simonedemandt.de

 

     © PORT25  

Hafenstraße 25-27   68159 Mannheim   Tel. 0621 33934397

Mi — So 11 – 18 Uhr

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