12. — 13. Juli 2019

Port25 – Raum für Gegenwartskunst

FKAM – Freie Kunstakademie

 

 

In der Wahrnehmung von künstlerischem Schaffen hat in den letzten Jahren ein Paradigmenwechsel stattgefunden: Die Kunst selbst ist häufig nicht mehr der Grund in ein Museum oder in eine Ausstellung zu gehen, sondern sie stößt etwas an, das zu Themen führt, die außerhalb des Künstlerischen liegen. Die Kunst wird zum Werkzeug für Selbstfindungs- und Partizipationsprozesse, für Sozialpolitik oder für Vermittlungsvorgänge, kurz zum Instrument, das aktuelle Themen und Probleme der Gesellschaft diskutiert und idealerweise sogar Lösungen anbietet, die der demokratischen Zivilgesellschaft zu Gute kommen. Das ist im Ergebnis sicherlich erfreulich, jedoch muss differenziert und genau hingesehen werden. Nicht jedes Kunstwerk kann sowohl seinem künstlerischen Anspruch, als auch der demokratischen Gesellschaft gerecht werden. Aus der Perspektive der Künstler*innen bedeutet dies: Wer ausgestellt werden will, ist an die aktuellen Thementendenzen gebunden und damit in seiner künstlerischen Freiheit behindert. Die Anpassung an den Kanon führt nicht zuletzt zu einem Verlust von Vielfalt und einer zunehmenden Gleichförmigkeit von Ausstellungen. Diese Ausstellungen wiederum beackern, wenngleich uniform, zwei heterogene Felder. Auf dem einen tummeln sich Lifestyle, Markt und visuelle Unterhaltung, auf dem anderen wächst die künstlerische Praxis als Politik. Ausbildungsinstitutionen, wie beispielsweise Kunstakademien, müssen sich vor diesem Hinter- grund die Frage stellen, auf welcher Basis sie lehren und für welche künstlerische Praxis sie die Studierenden ausbilden wollen.

In vier Panels blicken international tätige Kurator*innen, Künstler*innen und Wissenschaftler*innen auf die Motivation hinter ihrer Arbeit und diskutieren mit den Gästen über den Stellenwert, den die bildende Kunst für sie und für uns hat. Das Diskurs-Projekt ist als Standortbestimmung und Nabelschau aktueller Kunstproduktion, Kunstpräsentation und ihrer Lehre angelegt und möchte zum Verständnis der oben beschriebenen Entwicklung beitragen.

Ein Diskurs-Projekt von supPORTer e.V. und der Freien Kunstakademie Mannheim FKAM

in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Mannheim und Port25 – Raum für Gegenwartskunst

 

konzipiert von Kim Behm, Barbara Hindahl und Stefanie Kleinsorge


Programm 

12.07.19  |  18.00 — 19.30 Uhr

Port25 – Raum für Gegenwartskunst

L’ART POUR L’ART / DER KUNST TRAUEN!

beschäftigt sich mit dem Vertrauensverlust in die Gegenwartskunst. Kunst, die nicht dabei hilft Alltagsprobleme zu bewältigen oder Konflikte zu verstehen, die weder belehrt noch eine Botschaft vermittelt, ist weiten Teilen der Gesellschaft aber auch einem nicht unerheblichen Teil der weltweit tätigen Kurator*innen grundsätzlich verdächtig. Eine Sinnhaftigkeit wird jenseits der Kunst voraus- gesetzt, die Sinnlichkeit als Qualität ist obsolet. Zudem lässt sich beobachten, dass Werke der Kunst und ihre Präsentationen zu- nehmend größer, lauter und insgesamt spektakulärer werden. Der Raum für das Unausgesprochene, das Dazwischen verliert sich zunehmend im allgemeinen Eventcharakter des Kunsterlebens.

Vortrag von Stephan Berg 

(Intendant des Kunstmuseums Bonn) 

Begrüßung Sabine Schirra

(Leiterin des Kulturamtes der Stadt Mannheim)

13.07.19  |  13.30 - 14.30 & 14.00 - 15.00 Uhr

FKAM Freie Kunstakademie Mannheim

RUNDGANG SOMMERAUSSTELLUNG

 

Diplomarbeiten der Absolventen, Klassenpräsentation des 5. Semesters mit Gastdozent Magnus von Stetten, sowie Beiträgen aus dem 1. und 3. Semester und dem Seminar „Plastik“ bei Francisco Klinger Carvalho.

 

Treffpunkt 1. OG
Auftakt mit Kaffee und Kuchen!

13.07.19  |  15.00 - 16.00 Uhr

FKAM Freie Kunstakademie Mannheim

HIRN UND SINN

 

nennen wir das Kapitel, das sich mit ästhetischen und humanwissenschaftlichen Fragestellungen zur Bedeutung von bildender Kunst für den Menschen befasst. Die Prämisse, dass Kunst ein Grundbedürfnis des menschlichen Seins, sowohl im Sinne des kreativen Akts als auch als Rezeptionsleistung, darstellt, soll anhand philosophischer und neurologischer Wissensbasen überprüft werden.

 

Kunstrezeption, sowie die Zugänglichkeit zur Kunst sind von politischen und sozialen Faktoren bestimmt und mit der persönlichen Geschichte der Betrachter*innen verknüpft. Wenn man aber von der Wirkung eines Werkes spricht, spielt ebenso die Frage eine Rolle, ob es biologische und anthropologische Determinanten gibt, die den Zugang des Einzelnen zur Kunstbeeinflussen. Die Trennung zwischen Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften wird durch das recht neue Forschungsgebiet der Neuroästhetik nivelliert, das sich mit den neurologischen Grundlagen von Kreativität, Ästhetik und Kunstwahrnehmung beschäftigt.

Im Dialog: Friedrich Weltzien (Hochschule Hannover) Dominik Welke (Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, Frankfurt a. M.)

Begrüßung Juliane Huber, Rektorin Freie Kunstakademie Mannheim
Moderation Kim Behm

13.07.19  |  10.00 — 12.00 Uhr

Port25 – Raum für Gegenwartskunst

KUNST IM ÖFFENTLICHEN RAUM

thematisiert Interventionen sowohl bildnerischer, als auch performativer Natur im Hinblick auf ihre transformatorische Kraft. Für Orts- und Perspektivenwechsel ästhetisch zu sensibilisieren ist ein Schwerpunkt dieses Panels. Ein Fokus wird sein, künstlerische Strategien im Außenraum darzustellen und weitere Modelle und Phänomene zu diskutieren. Kunst als ein Mittel zur Teilnahme aller am öffentlichen gesellschaftlichen Leben wird zunehmend so verstanden, dass hier soziokulturelle Projekte anzusiedeln und zu fördern sind. Diese Praktik verunklärt die Unterscheidung zwischen Kunst auf der einen Seite und Pädagogik, Sozialarbeit und integra-tiven Kreativpraktiken auf der anderen Seite. Zeitgleich findet manfarbenfrohe Fahrräder, Kühe, Löwen und Pferde, die ein bestimmtes Bild der Stadt vermitteln und somit eher Marketinginstrumente sind, als Werke der bildenden Kunst.

 

Im Gespräch mit einer Vertreterin des Kulturbüros Hamburg, Künstler*innen, Stadtaktivist*innen und einer Kulturanthropologin möchten wir sowohl den Ist-Zustand beschreiben, als auch Perspektiven entwickeln.

Podium: Johannes Kuhn, Lukas Yves Jakel & Kristiane Fehrs (yvjo, Hamburg) Levent Kunt (Künstler, Frankfurt a. M.), Anne-Kathrin Reinberg (Behörde für Kultur und Medien, Hamburg), Moderation Barbara Hindahl

13.07.19  |  17.00 - 18.30 Uhr

Port25 – Raum für Gegenwartskunst

KUNST IM DIENST

 

fasst die zuvor diskutierten Fragestellungen unter einem Dach zusammen. In diesem Panel soll die grundsätzliche Frage gestellt werden, an welchen Punkten eine Instrumentalisierung von Kunst ansetzt. Hierzu möchten wir von Experten aus der Kunstwissenschaft, von bildenden Künstler*innen und Ausstellungsmacher*innen in einer offenen Gesprächsrunde erfahren, welche Interessen sich aus ihrer jeweiligen Perspektive an die bildende Kunst knüpfen.

Abschlussdiskussion mit Adam Szymczyk (Kurator documenta 14), Marc Müller (Künstler und Co-Organisator von Labor, Köln), Gala Goebel (Künstlerin, Leipzig), Isabelle v. Marschall (Kuratorin Kunstpreis der Erzdiözese Freiburg)

Moderation Stefanie Kleinsorge

 

Vorstellung der Referenten
Carolin Ellwanger, Beauftragte für Bildende Kunst, Kulturamt Stadt Mannheim

     © PORT25  

Hafenstraße 25-27   68159 Mannheim   Tel. 0621 33934397

Mi — So 11 – 18 Uhr

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